Klimaschutz: Waldwildnis ist der falsche Weg

Autor

fablf

Datum

01. Okt 2021

Kategorie

In der Klimaschutzstrategie fordern Politiker, Teile des Waldes nicht mehr oder nur noch extensiv zu nutzen, um mehr Kohlenstoff darin zu speichern. Doch nützen diese Forderungen nach Nutzungsverboten dem Klima wirklich? Nein, sagt Prof. a. D. Roland Irslinger (Waldökologie, Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg am Neckar) in einem Artikel auf topagrar online. Aus wissenschaftlicher Sicht schade der Ansatz sogar dem Klima und missachte obendrein EU-Recht. (Den vollständigen Artikel finden Sie hier zum Nachlesen)

 

Wir haben seine Argumente kurz zusammengefasst:

  • Die Politik bezieht sich in ihrer Argumentation für Nutzungsverbote u.a. auf die von Greenpeace beauftragte Studie „Waldvision“. Die Studienautoren verwenden für ihr Szenario Waldwachstumsmodelle und wollen damit bis zum Jahr 2102 voraussagen, wie stark sich das Wachstum und damit der CO2-Speicher unserer Wälder durch die Einschränkung der Nutzung entwickeln wird. Die Modelle gehen jedoch von falschen Annahmen aus und gefährden damit die Bemühungen zum Klimaschutz.
  • Sowohl sich selbst überlassene Waldökosysteme als auch bewirtschaftete Wälder können im Einzelfall hohe Biomasse- und damit C-Vorräte aufbauen. In Deutschland liegt der Holzvorrat (stehendes Lebend- und Totholz mit Rinde) mit 3,9 Mrd. m3 bzw. 358 m3 pro ha inzwischen auf Rekordniveau. Alte Wälder sind nicht grundsätzlich größere C-Speicher, weil Primärwaldzyklen lang anhaltende Zerfallsphasen aufweisen, die infolge von Absterbeprozessen der Bäume CO2-Quellen darstellen. Zwischenfazit: Der Waldspeicher mitteleuropäischer naturnah bewirtschafteter Waldökosysteme ist ähnlich hoch wie er ohne Bewirtschaftung wäre.
  • Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung hat zudem – anders als oft behauptet – keine negativen Auswirkungen auf den C-Vorrat im Humus der Waldböden. In Deutschland findet auch im Wirtschaftswald eine zusätzliche CO2-Bindung in einer Größenordnung von 2,75t CO2 pro Jahr und Hektar in den obersten 90 cm des Waldbodens statt.
  • Alte Wälder sind labile Kohlenstoffspeicher: Das unkontrollierbare Risiko von CO2-Emissionen durch Störungen steigt mit zunehmendem Alter und Holzvorrat. Hochbevorratete Wälder sind unter dem Einfluss des Klimawandels nicht stabil.Die EU-Verordnung über die Einbeziehung der Emissionen und des Abbaus von Treibhausgasen aus Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft schreibt vor, dass C-Speicher unbedingt langfristig stabil und anpassungsfähig sein müssen. Eine Speichererhöhung durch Nichtnutzung des Waldes verstößt insofern gegen EU-Recht.
  • Für eine Nutzung des Waldes spricht auch Folgendes: Werden Bäume geerntet und zu Holzprodukten verarbeitet, bleibt Kohlenstoff im verarbeiteten Holz gespeichert und entlastet die Atmosphäre von CO2. Deshalb stellt der Holzproduktspeicher eine Erweiterung des Waldspeichers dar.
  • Holz ist ein Ersatz für fossile Brennstoffe: Ein m3 Brennholz vermeidet etwa 0,6 t fossiles CO2. Holz, das im Naturschutzwald verrottet, setzt dieselbe Menge an CO2 frei wie Holz, das energetisch genutzt wird, allerdings ohne fossiles CO2 zu vermeiden. Gegenwärtig bleiben etwa 10% des gefällten Holzes als Ernterückstände im Wald, 30 % werden direkt als Brennholz genutzt und 30 % entstehen als Verschnitt bzw. Reststoffe bei der Holzverarbeitung und werden ebenfalls energetisch verwertet. Die restlichen 30 % landen nach Jahrzehnten als Altholz im Heizkraftwerk.

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