Nachhaltigkeit statt Nutzungsverbote

Die EU-Biodiversitätsstrategie als ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Green Deal sieht als Ziel unter anderem vor, dass 10 Prozent der Land- und 10% der Meeresflächen Europas unter strengen Schutz gestellt werden sollen. Die EU-Kommission hat bestätigt, dass diese streng geschützten Gebiete „in der Regel ohne Eingriffe bewirtschaftet“ werden sollen, „so dass natürliche Prozesse ohne menschliche Einwirkung ablaufen können“. Die Nature Directives Expert Group (NADEG) der EU-Kommission, die Empfehlungen für die Umsetzung der Biodiversitätsstrategie für 2030 erarbeitet, schlägt konkret vor, auf Flächen mit einem strengen Schutz jegliche Landnutzung – einschließlich Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei – zu verbieten.

10% Flächen-Stilllegungen in Deutschland bedeuten rund 3,5 Mio. Hektar Landflächen, die aus der Bewirtschaftung genommen werden. Das sind knapp 5 Mio. Fußballplätze bzw. fast 15 % der land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Bei einem durchschnittlichen Nutzungswert von 20.000 € je Hektar würde die Stilllegung von 10% der Landfläche zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von über 70 Mrd. Euro allein in Deutschland führen.

Wir unterstützen die ambitionierten Ziele der EU-Kommission im Green Deal für den Klimaschutz und Artenschutz. Wir fordern aber dringend, auf pauschale Nutzungsverbote zu verzichten.

Nutzugsverbote sind unserer Meinung nach der falsche Weg, um Klima- und Artenschutz zu erreichen:

Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei leisten einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.

Gerade eine nachhaltige Flächennutzung ist mit den Anforderungen des strengen Schutzes oft vereinbar. Sie beeinträchtigt die Schutzziele nicht, sondern kann sie sogar befördern.

Artenvielfalt gibt es nur im Einklang mit nachhaltiger Bewirtschaftung.

So zeigen aktuelle Studien, dass die Artenvielfalt im Wirtschaftswald nicht geringer ist, als im sich selbst überlassenen Wald. In Deutschland sind keine Arten bekannt, die nur in geschützten Wäldern vorkommen. Die Waldbewirtschaftung greift in das Ökosystem Wald ein, schafft zugleich neue Lebensräume, etwa durch den größeren Lichteinfall.

Nutzungsverbote konterkarieren den Klimaschutz.

Holz aus nachhaltig bewirtschafteten deutschen Wäldern bindet Kohlenstoff langfristig und ersetzt klimaschädliche Rohstoffe und Materialien. Ein ungenutzter Wald hingegen befindet sich langfristig im geschlossenen Kreislauf und bindet kein zusätzliches CO2. Laut wissenschaftlichen Berechnungen verliert ein ungenutzter Wald rund 4 Tonnen CO₂ je Hektar an Speicherleistung und damit 50% des jährlichen CO₂-Ausstosses eines Menschen.

Nutzungsverbote schwächen den ländlichen Raum als Wirtschaftsfaktor.

Wenn Flächen in Deutschland aus der Bewirtschaftung genommen werden, hat dies negative Effekte auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Denn Land- und Forstwirtschaft sind wichtige Arbeitgeber im ländlichen Raum und geben ihm Identität. Sie zu schwächen widerspricht dem Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse.

Nutzungsverbote schwächen lokale Gemeinschaften.

Die EU-Biodiversitätsstrategie erklärt selbst, dass „die EU bei all ihren Maßnahmen die Verbindungen zwischen dem Schutz der biologischen Vielfalt und den Menschenrechten (…) und lokaler Gemeinschaften stärken“ wird. Die strenge Unterschutzstellung steht dem entgegen. Denn Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei werden seit Generation von Menschen ausgeübt, die in ihren lokalen Gemeinschaften verankert sind, die ihre Arbeit nicht verlagern können und wollen und deren wirtschaftliche Grundlage durch Nutzungsverbote in Frage gestellt werden.

Nutzungsverbote sind faktisch eine (Teil-)Enteignung.

Wenn auf 10 Prozent der Landfläche Deutschlands, also auf rund 3,5 Mio. Hektar, wirtschaftliche Tätigkeiten nicht mehr zulässig sein sollten, dann ist dies eine faktische, wirtschaftliche Enteignung. Dies würde zu geschätzten wirtschaftlichen Verlusten in einer Höhe von 70 Milliarden Euro führen, die aus Steuergeldern zu entschädigen sind.

Nutzungsverbote für die Landwirtschaft konterkarieren einen kooperativen und produktionsintegrierten Natur- und Artenschutz in der Agrarlandschaft.

Nur mit den Landwirten ist die Vielfalt der Arten und Biotope in der Agrarlandschaft zu erhalten. Ein Verzicht auf Produktionspotentiale für die Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln sowie nachwachsenden Rohstoffen in Europa führt zu Verlagerungseffekten und letztlich zu negativen Wirkungen für den Klimaschutz und die Artenvielfalt in anderen Teilen der Welt.

Nutzungsverbote berücksichtigen nachhaltige Nutzungspotenziale der Fischerei nicht.

Für die Berufsfischerei verkennt der Vorschlag eines Nutzungsverbots, dass wild gefangener Fisch eine besonders günstige CO₂- und Schadstoffbilanz im Vergleich zu anderen Quellen tierischen Proteins für die menschliche Ernährung hat. Die Freizeitfischerei nimmt darüber hinaus in Deutschland flächendeckend eine aktive Rolle bei dem Erhalt und der Wiederansiedlung bzw. Wiederherstellung bedrohter Fischarten und deren Lebensräumen wahr.

Nutzungsverbote konterkarieren sinnvolle Initiativen zur Rolle der Jagd für den Biodiversitätserhalt.

Diese Initiativen zeigen sich u.a. in der EU-Initiative für die nachhaltige Jagd (Sustainable Hunting Initiative) in der EU und der Europäischen Charta über Jagd und Biodiversität der Berner Konvention. In Anbetracht dessen hat die EU-Kommission bereits früher die Ansicht vertreten, dass die Jagd in Natura 2000-Gebieten überwiegend auf lokaler Ebene geregelt werden soll.

Nutzungsverbote in Deutschland wirken der globalen Nachhaltigkeit entgegen.

Weniger Holzwirtschaft in Deutschland führt dazu, dass mehr Holz aus anderen Ländern genutzt würde. Das Thünen-Institut stellt dazu fest, dass dies zu einer stärkeren Gefährdung bedrohter Arten, zu einer Reduktion intakter Waldflächen und verstärkter Nettoentwaldung vor allem in Drittstaaten führen würde.

Zudem fehlt eine solide, wissenschaftliche Folgenabschätzung für die Ziele der Biodiversitätsstrategie, die begründet, warum über das existierende Natura 2000-Netzwerk hinaus weitere Unterschutzstellungen notwendig sind.

Wir schlagen wirksame Alternativen vor, um den Einklang zwischen ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit zu sichern:

  • Ein integrativer Ansatz von Bewirtschaftung und Artenschutz;
  • Die Honorierung und Inwertsetzung von ökologischen Leistungen;
  • Die Förderung der Bioökonomie durch nachwachsende Rohstoffe;
  • Intelligente Holzverwendung und Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten;
  • Einbindung der Fachkenntnis von Praktikerinnen und Praktikern in der Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei.

Wir wenden uns daher mit der dringenden Bitte an Sie. Unterstützen Sie uns. Großflächige Stilllegungen und strenge Nutzungseinschränkungen dürfen nicht Teil der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 sein.  

Informatives in

Bild und Ton

Familienbetriebe Land und Forst

Eine Initiative der Familienbetriebe Land und Forst, mit der sie ein Umdenken beim Europäischen Green Deal fordern. Wir unterstützen die ambitionierten Ziele der EU-Kommission im Green Deal für den Klimaschutz und Artenschutz. Wir fordern aber dringend, auf pauschale Nutzungsverbote zu verzichten.

Florens von Bockum-Dolffs

Florens von Bockum-Dolffs lebt mit seiner Familie am Möhnesee im Sauerland und bewirtschaftet dort einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb. „Der Wald füllt viele Bereiche aus, die für unsere Gesellschaft wichtig sind und da sehe ich mich als ein Teil dieser Gesellschaft um den Herausforderungen entsprechen zu können.“

Forstbetrieb Ketteler-Boeselager

Das Familienunternehmen von Ketteler-Boeselager in Höllinghofen umfasst zusammen mit der WILDWALD VOSSWINKEL GbR vor allem einen modernen Forstbetrieb mit rund 4.500 ha Fläche. Beim Green Deal stellt der Wald kein Problem dar, sondern eine Chance.

Familie Hancken

Die Familie Hancken bewirtschaftet einen landwirtschaftlichen Betrieb in Hessen. „Nur mit einem gesunden Boden und gesunden Pflanzen können wir auch gesunde Lebensmittel erzeugen. Das ist es, was wir auch an die nächste Generation weitergeben.“

Max v. Elverfeldt

Gemeinsam aktiv werden. Eine Initiative der Familienbetriebe Land und Forst, mit der sie ein Umdenken beim Europäischen Green Deal fordern. Wir unterstützen die ambitionierten Ziele der EU-Kommission im Green Deal für den Klimaschutz und Artenschutz. Wir fordern aber dringend, auf pauschale Nutzungsverbote zu verzichten.

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