Nachhaltigkeit statt Nutzungsverbote

Diskutiert werden in Brüssel weitreichende Eingriffe in unsere Kulturlandschaft mit negativen Effekten für Natur und Mensch. So sieht die EU-Biodiversitätsstrategie unter anderem vor, 10 Prozent der Land- und Meeresflächen Europas sich selbst zu überlassen. Die EU-Kommission hat bestätigt, dass diese Gebiete „in der Regel ohne Eingriffe bewirtschaftet“ werden sollen, „so dass natürliche Prozesse ohne menschliche Einwirkung ablaufen “. Die Nature Directives Expert Group (NADEG) der EU-Kommission schlägt vor, auf diesen Flächen jegliche Landnutzung – einschließlich Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei – zu verbieten. Der falsche Weg! Tatsächlich bedeuten Stilllegungen an vielen Stellen einen Stillstand für den Umwelt- und Klimaschutz.

Aktuell gibt es in Deutschland 16 Nationalparks, 105 Naturparks und 8833 Naturschutzgebiete. Zusätzliche 10% Flächen-Stilllegungen bedeuten rund 3,5 Mio. Hektar Land, das damit aus der Bewirtschaftung genommen wird. Das sind knapp 5 Millionen Fußballplätze bzw. fast 15 % der land- und forstwirtschaftlichen Flächen.  Bei einem durchschnittlichen Nutzungswert von 20.000 € je Hektar würde die Stilllegung zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von über 70 Mrd. Euro führen. Neben den volkswirtschaftlichen Folgen würden Nutzungsverbote massive, negative Effekte auf die CO2-Reduzierung und auf zahlreiche heimische Pflanzen- und Tierarten haben, die besondere Pflege und Rahmenbedingungen zum Überleben brauchen.

Wir unterstützen die ambitionierten Ziele der EU-Kommission im Green Deal für den Klima- und Artenschutz. Stilllegungen von Flächen sind dafür allerdings der falsche Ansatz, denn ohne eine nachhaltige Bewirtschaftung sind die Umwelt- und Klimaziele nicht zu erreichen. Wir fordern deshalb nachdrücklich, auf pauschale Nutzungsverbote zu verzichten.
Wir reden nicht nur über den Green Deal, wir packen für das Thema Klima- und Umweltschutz jeden Tag in unseren Betrieben und auf unseren Ländern an. Die Pläne zu Nutzungsverboten klammern dagegen den Nutzen und wesentliche Effekte einer nachhaltig wirkenden Bewirtschaftung aus:

1. Ohne nachhaltige Bewirtschaftung kein effektiver Klimaschutz!

Die Land- und Forstwirtschaft leistet einem wesentlichen Beitrag zur langfristigen Bindung von CO2. Der Wald ist dabei unser größter Klimaschützer. Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern bindet Kohlenstoff und ersetzt darüber hinaus klimaschädliche Rohstoffe und Materialien. Ein ungenutzter Wald hingegen befindet sich langfristig im geschlossenen Kreislauf und bindet kein zusätzliches Kohlendioxid. Laut wissenschaftlichen Berechnungen verliert ein ungenutzter Wald rund 4 Tonnen CO2 je Hektar an Speicherleistung und damit 50% des jährlichen CO2-Ausstoßes eines Menschen. Nutzungsverbote konterkarieren den notwendigen Klimaschutz!

2. Nutzungsverbote führen zu umweltbelastenden Verlagerungseffekten!

Wenn unsere Forst- und Landwirte weniger Nahrungs- und Futtermittel sowie nachwachsende Rohstoffe erzeugen können, führt das zu Verlagerungseffekten in andere Teile der Welt. Weniger Holzwirtschaft in Deutschland führt beispielsweise dazu, dass der Rohstoff hierzulande knapper und mehr Rohstoff aus anderen Ländern importiert wird. Mit Blick auf weite Transportwege und deutlich niedrigere Standards vor Ort kommt es zu negativen Effekten für die Umwelt. Das Thünen-Institut stellt dazu fest, dass dies zu einer stärkeren Gefährdung bedrohter Arten, zu einer Reduktion intakter Waldflächen und verstärkter Nettoentwaldung vor allem in Drittstaaten führen würde.

3. Nutzung trägt zum Schutz heimischer und bedrohter Arten bei!

Eine nachhaltige Flächennutzung beeinträchtigt die Schutzziele nicht, sondern kann sie sogar befördern. Lerchenfenster als Brutplätze für Vögel oder das Anlegen von Hecken sind nur einige Beispiele eines kooperativen Naturschutzes in der Land- und Forstwirtschaft. Die Jagd leistet daneben einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts, zur Vorbeugung einer Vegetationsverarmung durch Bestandregulierung und zum Schutz heimischer Arten. Die Freizeitfischerei nimmt flächendeckend eine aktive Rolle bei Erhalt und Wiederansiedlung bedrohter Fischarten wahr. Heimische Tiere und Pflanzen brauchen unsere Kulturlandschaft als Lebensraum.

4. Bewirtschaftung sorgt für den Erhalt der Biodiversität!

Aktuelle Studien zeigen, dass die Artenvielfalt in einem Wirtschaftswald nicht geringer ist als in einem sich selbst überlassenen Wald. In Deutschland sind keine Arten bekannt, die nur in geschützten Wäldern vorkommen. Die Bewirtschaftung schafft neue Lebensräume, etwa durch den größeren Lichteinfall. Ein Beispiel dafür ist der Frauenschuh, eine bedrohte Pflanze, die vorwiegend in bewirtschafteten Wäldern vorkommt und ohne diesen Lebensraum verschwindet. Auch in der Landwirtschaft entstehen wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Durch die Einrichtung von Blühstreifen finden Bienen, Schmetterlinge oder Hase Rückzugsorte. Außerdem regen die Pflanzungen das Bodenleben an. Biodiversität lebt von nachhaltiger Bewirtschaftung.

5. Nutzungsverbote schwächen ländlichen Raum und Gemeinschaften!

Die EU-Biodiversitätsstrategie erklärt, dass „die EU bei all ihren Maßnahmen die Verbindungen zwischen dem Schutz der biologischen Vielfalt und den Menschenrechten (…) und lokaler Gemeinschaften stärken“ wird. Nutzungsverbote stehen dem entgegen. Denn Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei werden seit Generationen von Menschen ausgeübt, die in ihren lokalen Gemeinschaften verankert sind und deren wirtschaftliche Grundlage durch Nutzungsverbote in Frage gestellt werden. Wenn auf 10 Prozent der Landfläche Deutschlands wirtschaftliche Tätigkeiten nicht mehr zulässig sein soll, ist dies eine faktische Enteignung. Betroffen sind die Menschen, die seit Generationen in ihrer Heimat verankert sind, die regionale Wertschöpfung sichern und das Land dabei verantwortungsvoll bewirtschaften und erhalten.

 

 

Zusammenfassend gilt: Es fehlt eine solide, wissenschaftliche Folgenabschätzung für die Ziele der Biodiversitätsstrategie, die begründet, warum über das existierende Natura 2000-Netzwerk hinaus weitere Maßnahmen und Verbote notwendig sein sollen. Wir schlagen wirksame Alternativen zu Nutzungsverboten vor, um den Einklang zwischen ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit zu sichern:

  • Ein integrativer Ansatz von Bewirtschaftung und Artenschutz;
  • Die Honorierung und Inwertsetzung von ökologischen Leistungen;
  • Die Förderung der Bioökonomie durch nachwachsende Rohstoffe;
  • Intelligente Holzverwendung und Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten;
  • Einbindung der Fachkenntnis von Praktikerinnen und Praktikern in der Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei.

Wir wenden uns daher mit der dringenden Bitte an Sie: Unterstützen Sie uns. Packen wir gemeinsam an. Großflächige Stilllegungen und strenge Nutzungseinschränkungen dürfen nicht Teil der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 sein.  Nutzen wir unser Land für eine nachhaltige Zukunft!

 

Informatives in

Bild und Ton

Familienbetriebe Land und Forst

Eine Initiative der Familienbetriebe Land und Forst, mit der sie ein Umdenken beim Europäischen Green Deal fordern. Wir unterstützen die ambitionierten Ziele der EU-Kommission im Green Deal für den Klimaschutz und Artenschutz. Wir fordern aber dringend, auf pauschale Nutzungsverbote zu verzichten.

Florens von Bockum-Dolffs

Florens von Bockum-Dolffs lebt mit seiner Familie am Möhnesee im Sauerland und bewirtschaftet dort einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb. „Der Wald füllt viele Bereiche aus, die für unsere Gesellschaft wichtig sind und da sehe ich mich als ein Teil dieser Gesellschaft um den Herausforderungen entsprechen zu können.“

Forstbetrieb Ketteler-Boeselager

Das Familienunternehmen von Ketteler-Boeselager in Höllinghofen umfasst zusammen mit der WILDWALD VOSSWINKEL GbR vor allem einen modernen Forstbetrieb mit rund 4.500 ha Fläche. Beim Green Deal stellt der Wald kein Problem dar, sondern eine Chance.

Familie Hancken

Die Familie Hancken bewirtschaftet einen landwirtschaftlichen Betrieb in Hessen. „Nur mit einem gesunden Boden und gesunden Pflanzen können wir auch gesunde Lebensmittel erzeugen. Das ist es, was wir auch an die nächste Generation weitergeben.“

Max v. Elverfeldt

Gemeinsam aktiv werden. Eine Initiative der Familienbetriebe Land und Forst, mit der sie ein Umdenken beim Europäischen Green Deal fordern. Wir unterstützen die ambitionierten Ziele der EU-Kommission im Green Deal für den Klimaschutz und Artenschutz. Wir fordern aber dringend, auf pauschale Nutzungsverbote zu verzichten.

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